Halbzeit

Nach langer Pause melde ich mich mal wieder hier. In den letzten Wochen und Monate ist sehr viel passiert, wir haben eine viel engere Beziehung zu den Kindern, aber auch Mitarbeitern bekommen und ich habe neue Freundschaften geknüpft.
Über die Weihnachtszeit hatten wir viele Feiern mit den Heimkindern, den Mitarbeitern, aber auch mit den Kindern aus den Armenvierteln. Über Weihnachten bzw. Silvester durften die meisten Heimkinder ihre Familie besuchen. Vor allem die Zeit danach war und ist für die Kinder herausfordernd, weil sie ihre Familien nochmal verstärkt vermissen. An einem Sonntag sind acht Jungs auf einmal abgehauen und haben die Familie des einen Jungen besucht. Die Sozialarbeiter haben sie dann abends wieder eingesammelt. Wahrscheinlich aus Langeweile und gleichzeitig, weil sie ihre Familie sehr vermissen und das Leben im Heim für die Kinder auch herausfordernd ist. Viele (vor allem ältere) beschweren sich, dass sie keine Smartphones haben, weil die Kinder erst ab Klasse 10 eins benutzen dürfen. Außerdem dürfen nur die Älteren ab 18 ab und zu raus, zum Beispiel um etwas einzukaufen, alle anderen dürfen nicht raus. Dadurch, dass die Schule (Klasse 1-10) auch auf dem Gelände von CfA ist, kommen viele der Kinder (außer jede Woche Kirche) wochenlang nicht raus.
Die Aufgabe der Interns (also uns) ist es auch, den Kindern Aktivitäten zu bieten. Das erste halbe Jahr haben wir viele Aktivitäten auf dem Gelände gemacht, weil Aktivitäten außerhalb durch die Taifune und Erdbeben erschwert wurden. Wir basteln und malen viel, haben jede Woche movie night. Hans macht mit den Jungs öfters Workouts oder auch Musik und wir Mädels haben angefangen mit den älteren Mädchen abends Tanzworkouts zu machen. Wir haben schon oft gebacken zum beispiel Plätzchen oder Mango float etc…
Vor ein paar Wochen waren wir endlich mit den älteren Mädchen nach der Kirche in der Mall. Wir haben dort bei Jollibee (philippinischer Mcdonalds, anstatt Burger gibt es Chickenwings) essen geholt und mit den Mädchen auf der Dachterasse des Einkaufszentrums gegessen. Danach haben wir uns in kleinere Gruppen aufgeteilt und sind durch die Mall gelaufen. Wir waren zum Beispiel in einem Photobooth und danach durften sich die Mädchen für 100Pesos (ca. 1,50€) einen Snack aussuchen, den wir spendiert haben. Das war ein sehr schöner Tag und ich glaube die Mädchen haben es auch sehr genossen.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mich sehr gut mit den älteren Mädchen (14-20 Jahre) verstehe. Am Anfang unseres Freiwilligendienst war es auf jedenfall einfacher mit den kleineren Kindern, weil sie direkt mit einem Kontakt aufnehmen. Viele der älteren Mädchen hatten keine Lust oder waren zu schüchtern, um mit uns zu reden. Außerdem braucht es länger eine Beziehung auf Augenhöhe aufzubauen, wie eine mit kleineren Kindern. Ich habe viel dafür gebetet und mich auch vor die Herausforderung gestellt meinen Fokus mehr auf die älteren Mädels zu legen. Seit ein paar Wochen merke ich wie viel das bewirkt hat und was für einen guten Draht ich zu vielen von ihnen bekommen habe. Es ist so schön, weil wir jetzt auch viel mehr auf deren Bedürfnisse eingehen können, weil wir besser einschätzen können, was sie brauchen und wie es ihnen geht.
Die Hausmütter und Sozialarbeiter haben oft zu wenig Kapazität wirklich Beziehung mit den Kindern zu leben. Deshalb ist unsere Aufgabe vorallem den Kindern zu zuhören, für sie da zu sein, sich Zeit für ihre Anliegen zu nehmen und einfach bei ihnen sein, wenn sie fröhlich und wenn sie traurig sind. Ich hoffe sehr, dass ich den Kontakt zu ihnen halten kann, auch, wenn ich wieder in Deutschland bin.
Die letzten Wochen habe ich mir viele Gedanken gemacht, was ich nach dem Freiwilligendienst machen möchte und hatte auch überlegt noch hier eine Bibelschule für ein halbes Jahr zu machen. Dann wäre ich von September bis Februar wieder hier auf den Philippinen. Aber ich bin mir da noch sehr unsicher, weil ich eigentlich anfangen möchte zu studieren. Ich vermisse auch Deutschland, vor allem die Menschen (Familie und Freunde), das Essen, die SUPERMÄRKTE, die frische Luft und die Natur so stark. Christ for Asia ist mitten in Cebu City und man kommt hier kaum in die Natur. Fahrradfahren und Sport generell vermisse ich auch arg, weil ich mich hier (außer ab und zu joggen im Sportcenter) kaum bewege… Man kann hier halt auch keine schönen Spaziergänge machen, weil man direkt an einer großen Straße läuft. Trotzdem überwiegen die schönen DInge natürlich und ich will mich echt nicht beschweren, weil wir hier echt schön und wohlhabend leben.