Herausforderungen und Gebetsanliegen
Zu allererst möchte ich sagen, dass ich sehr dankbar bin hier sein zu dürfen! Ich wollte schon mein ganzes Leben nach dem Abitur für ein Jahr ins Ausland gehen und ich bin überglücklich, dass sich mein Traum erfüllt hat. Mir macht die Arbeit total Spaß und erfüllt mich. Ich bin auch so dankbar, dass wir Freiwilligen (wir sind sieben Freiwillige aus Deutschland) uns so gut verstehen und wir die letzten Monate wie eine Familie zusammen gewachsen sind.
Wir arbeiten weitesgehend im Kinderheim und helfen den Hausmüttern beim Haushalt, waschen mit den Kindern und planen Aktivitäten. Die Kinder sind zu Christ for Asia gekommen entweder, weil ihre Familie sich nicht um sie kümmern konnten (aus Geld gründen, Drogen oder Gefängnisaufenthalt) oder auch weil sie keine Familie mehr haben. Wir sind viel mit den Kindern zusammen , deshalb kommt es öfter vor, dass sie anfangen über ihre Vergangenheit zu erzählen. Viele Kinder haben Missbrauch oder Misshandlung erlebt und liegen teilweise auch in ihrer körperlichen und geistlichen Entwicklung zurück. Viele der Kinder sind sehr klein und sehen aus wie vier bis fünf jährige, obwohl sie schon zehn Jahre alt sind (teilweise auch kulturell bedingt, weil Filipinos allgemein jünger als Europäer aussehen).
Ein paar der Kinder sind auf Müllhalden aufgewachsen, hatten kein Zuhause, sondern haben auf Pappkartons in der Stadt geschlafen. Wir haben ein Geschwisterpaar, die haben beide nur einen Holzkarren als Unterschlupf gehabt. Der 10 jährige Bruder und seine sechsjährige Schwester sind vor einem halben Jahr in unser Kinderheim gekommen. Der Bruder ist schon mehrmals nach Streits abgehauen und zurück zu seinem Vater gerannt.
Es ist nicht selten, dass Kinder aus den Heimen abhauen. Oftmals sind es ältere Mädchen, die eine Beziehung zu einem Jungen außerhalb des Heims haben. Den Heimkindern ist es nicht erlaubt eine Beziehung zu haben. Trotzdem kommt das sehr häufig vor und führen die Beziehung heimlich übers Internet. Erst vor ein paar Wochen ist ein Mädchen abgehauen, um mit ihrem Freund zusammen zuziehen.
Eine andere Herausforderungen mit der ich zu kämpfen habe ist, die Spanne zwischen Arm und Reich. Mir ist hier sehr bewusst geworden, wie priviligiert wir in Deutschland leben. Viele Menschen haben hier kein Zuhause und leben auf der Straße und vor allem Kinder betteln an jeder Straßenecke. Wir sind damit jeden Tag konfrontiert und mir fällt es sehr schwer damit umzugehen. Einkaufen gehen wir oft in den Malls (großen Einkaufscentern), die sehr modern und teuer sind. Vor den Malls sieht man untergewichtigte Kinder betteln und in den Malls werden die teuersten Produkte verkauft.
Auch, wenn wir in Deutschland nicht zu den “reichen Deutschen” gehören werden wir (vor allem alle Weißen) hier (logischerweise) als Reich angesehen. Wir können uns leisten von Europa hier her zu fliegen und wohnen ein Jahr hier, ohne Geld zu verdienen. Was wir aber auch gelernt haben ist, dass wir eine andere Sichtweise haben wie die meisten Filipinos. Wir bewundern hier den Familienhalt und die viel größere Zufriedenheit. Viele Einheimische haben aber das Bild vor Augen, dass man mit Geld weniger Probleme hat. Stimmt einerseits, weil man sich durch finanzieller Absicherung keine Sorgen um “wann kann ich das nächste mal essen?”, “wo werde ich schlafen” machen muss. Aber dafür haben wir Probleme, die in den Entwicklungsländern nicht beachtet werden können wie zB.: Depressionen oder Unverträglichkeiten. Für viele Filipinos ist Deutschland oder generell der Westen,wie ein Paradies, wo Geld auf Bäumen wächst und man keine Sorgen hat. Aber durch diese Sichtweise habe ich lernen dürfen, wie dankar ich bin, dass ich mir keine Sorgen machen muss, was ich als nächstes Essen kann oder wo ich schlafen werde. Ich durfte lernen dankbar zu sein, auch, wenn nicht alles perfekt ist.
Die Kinder im Kinderheim haben jeden Abend Devotional (Andacht mit Bibellesen) und erzählen danach wofür sie alles dankbar sind. Sie reden teilwiese minutenlang für was sie alles dankbar sind. Ich finde das so beeindurckend und berührend. Wir konnten schon sehr viel von den Kindern lernen und Dankbarkeit ist auf jedenfall ein Punkt ganz weit oben auf der Liste!
Ein weiterer Punkt, der uns herausfordert sind die vielen Naturkatastrophen, die uns die letzten Monate getroffen haben.
Im September gab es ein leichtes aber langes Erdbeben. Hier in Cebu City gab es, Gott sei Dank, wenig Schäden. Betroffen war vor allem der Norden der Insel Cebu. wir haben viele Hilfsgüter gepackt und sind in die betroffenden Gebiete gefahren.
Ein paar Wochen später haben uns mehrere Taifune getroffen und/oder gestriffen. Wir wurden mit den Mitarbeitern und den Kindern evakuiert und haben in der Schule von CfA übernachtet. Wir hatten längere Zeit kien Strom und kein Wasser.
Nachdem alles wieder sicher war wurden direkt wieder Hilfsgüter gepackt und wir haben mit den Aufräumaktionen gestartet. Die Taifune an sich waren nicht sehr stark. Durch den ganzen Regen kam es in vielen Regionen der Stadt zu Überschwemmungen. Viele Menschen haben ihre Häuser verloren, mussten mitten in der Nacht aufs Dach klettern, weil das Wasser meterhoch anstieg.
Ein Samstag haben wir damit verbracht in Talisay (die Nebenstadt von Cebu City) eine Sporthalle von Schlamm zu befreien. Die Schlammschicht war bestimmt 15 Zentimeter dick. Die Häuser außenrum wurden auch sehr mittgenommen. Viele Möbel standen vor den Türen, weil sie durch die Überschwemmungen nass und dreckig wurden.
An einem anderen Tag waren wir in einem Dorf, dass auch komplett überschwemmt wurde. Die Familien mussten eine Nacht auf den Dächern verbringen, weil die Flut so hoch war.
Viele konnten wochenlang nicht zurück in ihr Haus, weil alles zertsört und verdreckt war. Untergekommen sind sie in Schulen oder Sporthallen, die zu Evakuierungszentren umgebaut wurden. Wir haben Hilfsgüter mit essen, aber acuh mit Schulsachen verteilt und haben mit den Menschen vor Ort geredet und gebetet. Viele Menschen dort hatten ein großes Redebedürfnis, und haben erzählt, was sie erlebt haben.
Uns Interns ist es nicht einfach gefallen mit der Not umzugehen und wir sind immernoch dabei vieles zu verarbeiten. Es ist ein Segen, dass wir im Dezember keine weiteren Tafune und Erdbeben erlebt haben, weil vor allem im Dezember viele Naturkatastrophen vorhergesagt werden.
Gebetsanliegen:
Dank
- dass CfA vor den Auswirkungen der Naturkatastrophen nicht stark betroffen war, bewahrt wurde und, dass es allen gut geht.
- , dass es Organisationen wie Christ for Asia gibt, die die Not der Straßenkinder sieht und hinschaut und, dass sich dadurch die Zukunft der Kinder verändert (Chancen auf guten Job wegen Schulabschluss).
Bitte
- , dass die betroffenen Familien Hoffnung bekommen und an Jesus festhalten und ihn kennenlernen.
- , dass wir vor Naturkatastrophen bewahrt bleiben.
- im Allgemeinen für die Zukunft der Heimkinder, dass sie ihre Vergangenheit gut aufarbeiten und verarbeiten können.


